PROJEKTEElias Canetti Briefe 1948-1994

Elias Canetti: Briefe 1948–1994

© Hanser Verlag

Die Edition: "Ich erwarte von Ihnen viel", Briefe
Ein junger Autor wendet sich mit seinem Erstlingsroman schüchtern an den Nobelpreisträger Thomas Mann – und wird freundlich abgewimmelt. Ein halbes Jahrhundert später reist der Autor selbst nach Stockholm, den Preis entgegenzunehmen. Elias Canetti bezeichnete sich selbst gelegentlich als schlechten Briefschreiber. Dem zum Trotz ist der Schatz seiner Briefzeugnisse ein literaturhistorisches Ereignis. Knapp 600 Briefe an Buchhändler, Germanisten oder Journalisten ebenso wie an Kollegen wie Theodor W. Adorno, Thomas Bernhard, Erich Fried, Claudio Magris, Marcel Reich-Ranicki oder Hilde Spiel führen tief hinein in die Kulturwelt Nachkriegseuropas – und in ein einzigartiges Jahrhundertleben.

© Elias Canetti Erben

Elias Canetti (1905–1994) hatte als Schriftsteller einen schwierigen Start: Kurz nachdem sein Roman Die Blendung 1935 endlich erscheinen konnte, zog sich das Netz des Antisemitismus enger um Wien, mit der Folge seiner Emigration nach England im Jahr 1938. Während der Roman 1946 immerhin in englischer Übersetzung erschien und eine Reise um die Welt antrat, blieb die deutsche Nachkriegsausgabe 1948 weitgehend unbeachtet, ebenso wie sein 1960 erschienenes philosophisches Werk Masse und Macht. Erst die dritte deutsche Ausgabe der Blendung 1963 brachte den Durchbruch. Es folgten die teils skandalträchtigen Theateraufführungen, die ersten Veröffentlichungen von Aufzeichnungen, heute von vielen als Canettis Hauptwerk erachtet, seine bedeutenden literatur- und kulturkritischen Beiträge, und schließlich das autobiographische Werk, beginnend mit den Stimmen von Marrakesch 1967 und gekrönt von den drei Bänden Die gerettete Zunge, Die Fackel im Ohr und Das Augenspiel.

Parallel mit diesem reichen Spätschaffen entfaltete Canetti regen Austausch mit den Intellektuellen seiner Zeit, und das Medium dafür war: der Brief. Aus hunderten von Briefen u.a. an Theodor W. Adorno, Hans Bender, Erich Fried, Ernst Gombrich, Volker Hage, Wolfgang Kraus, Claudio Magris, Thomas Mann, Marcel Reich-Ranicki, Hilde Spiel, Cilli Wang und viele andere entsteht hier ein repräsentativer Band, der Canettis Aufstieg nachzeichnet: vom durch die Emigration beschädigten Einzelkämpfer zum Nobelpreisträger mit einem ansehnlichen literarischen und philosophischen Werk.

Die BSCW-Stiftung unterstüzt die Arbeiten an der Edition der Briefe Elias Canettis.

Die Herausgeber

Sven Hanuschek, Germanist und Publizist, unterrichtet an der LMU München. Er veröffentlichte bei Hanser Biografien über Elias Canetti und Erich Kästner, bei Zsolnay Laurel & Hardy (Eine Revision).

Kristian Wachinger, Lektor und Übersetzer, ist seit 2003 (Mit-)Herausgeber mehrerer Editionen aus dem Nachlass von Elias Canetti sowie im Stiftungsrat der Canetti Stiftung in Zürich.